Sonntag, April 15, 2012

#27 Wochenthema VI - Kathi

Man entscheidet sich zu Fuß zu gehen, denn ein drittes mal am Tag einen Fahrschein für die öffentlichen Beförderungsmittel zu zahlen wollte man nicht. Die Sonne geht gerade unter, es ist nicht zu kalt und Freitag.


Man sieht sowieso immer viel zu wenig von der Stadt, wenn man immer nur durchfährt, von einem Ort zum nächsten. Man läuft also....und läuft, 4 Busstationen, 5 Busstationen, man hört auf zu zählen. Nehmen wir doch die Abkürzung durch den Park. Und dann... dann passierts. Wäre man mit dem Bus gefahren, hätte man sich die unzähligen starren, verzerrten oder angetrunkenen Mienen der "Freitagabendgesellschaft" zu Gemüte führen dürfen, die mit dem gekauften Spaß in der Flasche und dem Frust im Bauch oder die, die alle anders sein wollen, aber doch alle gleich sind. Zurück zum Park, denn da flog einem plötzlich das Leben entgegen, es war ca. einen Meter hoch und hatte eine Spannweite von mindestens geschätzten 1,30.
Noch nie, zumindest kann ich mich nicht entsinnen, habe ich einen Kranich gesehen. Ich müsste schon stark überlegen, ob ich überhaupt schonmal einen Vogel gesehen habe, der größer war als eine Möwe, eine große Möwe, mal abgesehen vom Zoo natürlich.
Da stand er also, erst mitten auf dem Weg, dann zog es ihn Richtung Wasser. Ein kleiner "Tümpel", in dem sonst nur ein paar Enten Schwimmen. Eine Weile stand er am Rand des Wassers, ganz andächtig, so sah es aus, aber er war konzentriert, wie sich dann rausstellte. Auf der Lauer.
Platsch!
Kurz hatte es den Anschein als hätte ihm der Tod plötzlich die Beine weggehauen. Mit dem Schnabel und der Brust voran klatschte er aufs Wasser, paddelte und flatterte sich dann aber wieder hoch, setzte sich wieder aufs Geländer und verschlang einen Fisch...
Fasziniert vom gerade eben Geschehenen zieht plötzlich etwas anderes die Aufmerksamkeit auf sich. Fledermäuse. Erst eine, dann noch eine. Wild flatternd aber unhörbar über einem kreisend.
Der eine Typ neben mir, der den ganzen Weg mit mir bis hierher gelaufen ist, freut sich plötzlich wie ein kleines Kind, das endlich seine Lieblings-Superhelden-Aktionfigur zu Weihnachten bekommen hat. Und ich freue mich, dass sich noch jemand genauso freut wie ich, hier und jetzt an diesem Ort zu sein.
Platsch!
Ein kleiner Fisch sättigt noch lange nicht.

Was macht mich glücklich?

Kleine unerwartete Spektakel. Dinge, die von anderen viel zu oft und schnell übersehen werden. Für viele sind sie meist tatsächlich nichts besonderes, aber für mich schon. Solche Situationen und andere kleinen Dinge sammel ich irgendwo in irgendeiner Wölbung meines Hirns, damit der Kampf Gut gegen Böse da drin nie den falschen Sieger hervorbringt.

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